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Branchenmindestlohn 2026: welche Branchen betroffen sind

Ein Branchenmindestlohn gilt 2026 nur für Betriebe, die in den Geltungsbereich einer Rechtsverordnung nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz, einer Lohnuntergrenze in der Zeitarbeit oder eines allgemeinverbindlichen Tarifvertrags fallen. Betroffen sind unter anderem Bauhauptgewerbe, Dachdeckerhandwerk, Elektrohandwerke, Gebäudereinigung, Gerüstbau, Maler- und Lackiererhandwerk, Pflege, Schornsteinfegerhandwerk, Steinmetzhandwerk, Sicherheitskräfte an Verkehrsflughäfen, Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen sowie die Zeitarbeit. Alle übrigen Betriebe zahlen mindestens den gesetzlichen Mindestlohn. Diese Seite erklärt, wie Sie den Geltungsbereich prüfen, welche Pflichten daran hängen und warum das Entgelt bei einer Einstellung aus Albanien oder Kosovo früh feststehen sollte.

Aktualisiert am 15. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Welche Branchen haben 2026 einen Branchenmindestlohn?

Einen Branchenmindestlohn gibt es nur dort, wo ein Tarifvertrag durch Rechtsverordnung des Bundesarbeitsministeriums oder durch Allgemeinverbindlicherklärung für alle Betriebe der Branche verbindlich wurde. Grundlage sind das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) und für die Zeitarbeit das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Die laufend gepflegte Liste der betroffenen Branchen führt die Zollverwaltung.

Die Zoll-Übersicht nennt unter anderem diese Branchen (Rechtsstand 1. September 2026):

  • Bauhauptgewerbe und Baunebenleistungen
  • Dachdeckerhandwerk
  • Elektrohandwerke
  • Gebäudereinigung
  • Gerüstbauerhandwerk
  • Maler- und Lackiererhandwerk
  • Pflegebranche
  • Schornsteinfegerhandwerk
  • Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk
  • Sicherheitskräfte und Bodenverkehrsdienste an Verkehrsflughäfen
  • Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen nach dem SGB II und SGB III
  • Zeitarbeit (Lohnuntergrenze nach dem AÜG)

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Verordnungen laufen aus und werden durch neue ersetzt. Prüfen Sie die amtliche Übersicht des Zolls, bevor Sie einen Stundenlohn im Arbeitsvertrag festschreiben.

Branchenmindestlohn oder gesetzlicher Mindestlohn: was zahlt der Betrieb?

Der gesetzliche Mindestlohn ist die absolute Untergrenze für jede Beschäftigung in Deutschland, der Branchenmindestlohn liegt darüber und geht in seinem Geltungsbereich vor. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 13,90 Euro brutto je Stunde. In der Gebäudereinigung liegt der Branchenmindestlohn bei 15,00 Euro brutto je Stunde, im Bau bei 15,86 Euro brutto je Stunde. Rechtsstand dieser Angaben: 1. September 2026.

Für Betriebe heißt das: Erst klären, ob eine Branchenregelung greift. Erst danach den Stundenlohn kalkulieren. Zu den Sätzen und Pflichten am Bau finden Sie Einzelheiten unter Mindestlohn im Bauhauptgewerbe.

Viele Branchenregelungen unterscheiden nach Qualifikationsstufen, etwa zwischen ungelernten und gelernten gewerblichen Beschäftigten. In der Pflege gibt es eigene Stufen für Hilfskräfte, qualifizierte Hilfskräfte und Fachkräfte. Welche Stufe gilt, ergibt sich aus der jeweiligen Verordnung, nicht aus der Einschätzung des Betriebs.

Woran erkennen Sie, ob Ihr Betrieb in den Geltungsbereich fällt?

Maßgeblich für den Geltungsbereich ist die überwiegende Tätigkeit des Betriebs, nicht der Name im Handelsregister und nicht der Wortlaut im Arbeitsvertrag. Jede Verordnung beschreibt ihren Geltungsbereich in einem eigenen Paragrafen. Die Siebte Pflegearbeitsbedingungenverordnung erfasst zum Beispiel Betriebe und selbstständige Betriebsabteilungen, die überwiegend ambulante, teilstationäre oder stationäre Pflegeleistungen oder ambulante Krankenpflegeleistungen erbringen.

  • Lesen Sie den Geltungsbereichsparagrafen der Verordnung, die für Ihre Branche gilt.
  • Vergleichen Sie ihn mit der tatsächlichen Tätigkeit Ihres Betriebs oder Ihrer Abteilung.
  • Prüfen Sie, ob die Verordnung noch in Kraft ist; viele gelten nur für einen befristeten Zeitraum.
  • Klären Sie die Einstufung der Stelle nach Qualifikationsstufen, bevor Sie ein Entgelt zusagen.

Der Branchenmindestlohn richtet sich nach der Tätigkeit des Betriebs, nicht nach Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz der Beschäftigten. Wer aus Albanien oder Kosovo einstellt, rechnet mit denselben Sätzen wie bei einer Einstellung im Inland. Diese Seite ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung im Einzelfall. Rechtsstand: 1. September 2026.

Was bedeutet der Branchenmindestlohn bei einer Einstellung aus Albanien oder Kosovo?

Bei einer Einstellung aus Albanien oder Kosovo prüft die Bundesagentur für Arbeit unter anderem, ob die Person nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen beschäftigt wird als vergleichbare inländische Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber muss dafür Auskunft über Arbeitsentgelt, Arbeitszeiten und sonstige Arbeitsbedingungen geben (§ 39 AufenthG). Diese Angaben trägt er in das Formular Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis ein.

Fällt der Betrieb unter eine Branchenregelung, bildet deren Mindestentgelt die untere Grenze für das angegebene Entgelt. Ein Stundenlohn unterhalb dieser Grenze passt nicht zu den Unterlagen, die im Verfahren eingereicht werden. Über die Zustimmung entscheidet die Bundesagentur für Arbeit im Einzelfall, über das Visum die zuständige deutsche Auslandsvertretung.

Praktische Folge für den Ablauf: Das Entgelt steht fest, bevor der Arbeitsvertrag unterschrieben wird. Wie ein tragfähiger Vertrag aussieht, lesen Sie unter Arbeitsvertrag für die Zustimmung. Zum vorgelagerten Verfahren finden Sie Hinweise unter Vorabzustimmung der Bundesagentur.

Welche Pflichten kommen mit einem Branchenmindestlohn auf den Betrieb zu?

Neben der Zahlung selbst treffen Arbeitgeber Aufzeichnungs- und Bereithaltungspflichten. In den im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannten Wirtschaftszweigen und bei geringfügig Beschäftigten müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum Ablauf des siebten auf die Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnungen sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren (§ 17 MiLoG). Für Entleiher in diesen Wirtschaftszweigen gilt Entsprechendes.

Hinzu kommt die Haftung für Nachunternehmer. Wer einen anderen Unternehmer mit Werk- oder Dienstleistungen beauftragt, haftet für dessen Mindestentgeltzahlungen wie ein Bürge, der auf die Einrede der Vorausklage verzichtet hat (§ 14 AEntG). Geprüft werden diese Pflichten von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung. Beschäftigte können ihren Anspruch außerdem vor dem Arbeitsgericht einklagen.

Gilt der Branchenmindestlohn auch für Zeitarbeit und für Arbeitgeber mit Sitz im Ausland?

Branchenmindestlöhne gelten für alle Arbeitgeber und Beschäftigten im Geltungsbereich der Regelung, auch für Beschäftigte von Arbeitgebern mit Sitz im Ausland, die in Deutschland arbeiten. Für die Zeitarbeit kann das Bundesarbeitsministerium eine Lohnuntergrenze für Verleih- und verleihfreie Zeiten festsetzen (§ 3a AÜG). Der Vorschlag der Tarifvertragsparteien kann dabei nur unverändert übernommen werden.

Zwei Fälle sollten Sie auseinanderhalten. Stellen Sie eine Person aus Albanien oder Kosovo direkt in Deutschland an, gilt ein deutscher Arbeitsvertrag mit deutschem Lohnrecht. Entsendet dagegen ein Unternehmen mit Sitz im Ausland Beschäftigte nach Deutschland, kommen zusätzliche Melde- und Bereithaltungspflichten gegenüber dem Zoll hinzu.

Wie Hirenord Arbeitgeber bei der Einstellung aus Albanien und Kosovo unterstützt

Hirenord vermittelt Arbeitnehmer aus Albanien und Kosovo an Arbeitgeber in Deutschland, vor allem über die Westbalkanregelung. Zu den Leistungen für Betriebe gehören Kandidatengewinnung, Vorauswahl, Prüfung grundlegender Bewerberunterlagen und die Organisation von Bewerbungsgesprächen. Hinzu kommen Unterstützung bei Arbeitsverträgen und Beschäftigungsunterlagen, die Vorbereitung der Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis und Unterstützung im Vorabzustimmungsverfahren.

Hirenord ist eine private Personalvermittlung, keine Behörde und keine Auslandsvertretung. Zustimmung, Visum und Aufenthaltstitel entscheiden allein die zuständigen Stellen. Die Vermittlung zahlt in aller Regel der Arbeitgeber als Provision je vermitteltem Arbeitnehmer; die Höhe hängt vom Umfang ab und wird vorher schriftlich vereinbart. Von Bewerberinnen und Bewerbern verlangt Hirenord keine Vorauszahlung.

Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter von Bewerbern Geld verlangt, bevor überhaupt ein Arbeitsvertrag zustande gekommen ist. Wenn Sie offene Stellen in einer Branche mit eigenem Mindestlohn besetzen wollen, können Sie sich unter Als Arbeitgeber registrieren melden und Ihren Bedarf schildern.

Häufige Fragen

Wo finde ich die amtliche Liste der Branchen mit Mindestlohn?

Die Zollverwaltung führt eine laufend gepflegte Übersicht der Branchen-Mindestlöhne nach AEntG und AÜG. Dort stehen die Branchen, die jeweilige Verordnung und die Laufzeit. Das Bundesarbeitsministerium veröffentlicht zusätzlich eine Gesamtübersicht der Mindestlöhne.

Was gilt, wenn Branchenmindestlohn und gesetzlicher Mindestlohn auseinanderfallen?

Der gesetzliche Mindestlohn ist die Untergrenze für jede Beschäftigung in Deutschland und liegt bei 13,90 Euro brutto je Stunde. Liegt der Branchenmindestlohn darüber, ist dieser höhere Satz zu zahlen. In der Gebäudereinigung sind es 15,00 Euro, im Bau 15,86 Euro brutto je Stunde. Rechtsstand: 1. September 2026.

Gilt der Branchenmindestlohn auch für Beschäftigte aus Albanien oder Kosovo?

Ja. Branchenmindestlöhne gelten für alle Arbeitgeber und Beschäftigten im Geltungsbereich der Regelung, unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Auch Beschäftigte von Arbeitgebern mit Sitz im Ausland, die in Deutschland arbeiten, sind erfasst.

Welche Angaben zum Entgelt will die Bundesagentur für Arbeit?

Der Arbeitgeber trägt Arbeitsentgelt, Arbeitszeit und weitere Arbeitsbedingungen in das Formular Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis ein. Geprüft wird unter anderem, ob die Bedingungen nicht ungünstiger sind als bei vergleichbaren inländischen Arbeitnehmern. Über die Zustimmung entscheidet die Bundesagentur für Arbeit im Einzelfall.

Muss ich Arbeitszeiten aufzeichnen?

In den im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannten Wirtschaftszweigen und bei geringfügig Beschäftigten müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnung muss spätestens bis zum Ablauf des siebten auf die Arbeitsleistung folgenden Kalendertages vorliegen. Aufzubewahren sind die Unterlagen mindestens zwei Jahre.

Wer kontrolliert die Einhaltung?

Zuständig ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung. Beschäftigte können ihren Anspruch zusätzlich vor dem Arbeitsgericht geltend machen. Wer Nachunternehmer beauftragt, haftet für deren Mindestentgeltzahlungen wie ein Bürge ohne Einrede der Vorausklage.

Quellen

  1. Zoll: Übersicht Branchen-Mindestlöhne
  2. Zoll: Verhältnis der Branchenmindestlöhne zum allgemeinen Mindestlohn
  3. BMAS: Branchenmindestlohn
  4. BMAS: Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2026
  5. § 4 AEntG (Branchen)
  6. § 14 AEntG (Haftung des Auftraggebers)
  7. § 3a AÜG (Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung)
  8. § 17 MiLoG (Erstellen und Bereithalten von Dokumenten)
  9. § 39 AufenthG (Zustimmung zur Beschäftigung)
  10. § 1 der Siebten Pflegearbeitsbedingungenverordnung (Geltungsbereich)
  11. Bundesagentur für Arbeit: Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis (PDF)
  12. Zoll: Arbeitgeber mit Sitz außerhalb Deutschlands – Mindestarbeitsbedingungen

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