Sachkundenachweis Kältemittel: welche Ausbildung zählt und was für Personal ohne deutschen Abschluss gilt
Für bestimmte Tätigkeiten an Kältekreisläufen verlangt die Chemikalien-Klimaschutzverordnung eine Sachkundebescheinigung, die genau diese Tätigkeit abdeckt. Voraussetzung sind nach § 6 dieser Verordnung eine erfolgreich absolvierte technische oder handwerkliche Berufsausbildung, die die Tätigkeit abdeckt, und eine bestandene theoretische und praktische Prüfung. Ausgestellt wird die Bescheinigung auf Antrag, in den einschlägigen Fällen durch Handwerkskammern, Handwerksinnungen sowie Industrie- und Handelskammern. Für Personal mit einer Ausbildung aus einem Drittstaat kommt es darauf an, was die Abschlussprüfung abdeckt und welche Prüfungsteile nachgeholt werden müssen. Alle Rechtsangaben auf dieser Seite beziehen sich auf den Rechtsstand 1. September 2026 und sind keine Rechtsberatung.
Aktualisiert am 27.09.2026 · 6 Min. Lesezeit · Mit KI-Unterstützung erstellt, redaktionell geprüft
Was verlangt die Chemikalien-Klimaschutzverordnung für Arbeiten am Kältekreislauf?
Wer bestimmte Tätigkeiten an Kälteanlagen, Klimaanlagen oder Wärmepumpen ausführt, muss eine Sachkundebescheinigung vorweisen können. Die Bescheinigung muss die jeweilige Tätigkeit abdecken. § 5 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung verlangt zusätzlich, dass die Person zuverlässig ist. Die Verordnung setzt die EU-Verordnung 2024/573 über fluorierte Treibhausgase in Deutschland um.
Ausgestellt werden Sachkundebescheinigungen in den einschlägigen Fällen von Handwerkskammern, Handwerksinnungen sowie Industrie- und Handelskammern. Ein Betrieb kann den Nachweis nicht selbst ausstellen. Für die Praxis heißt das: Vor dem ersten Einsatz am Kältekreis liegt entweder eine passende Bescheinigung vor, oder die Tätigkeit übernimmt eine Person, die sie hat.
Gilt der Sachkundenachweis auch für Anlagen mit CO2, Propan oder Ammoniak?
Anlagen mit Ammoniak, Kohlendioxid oder Kohlenwasserstoffen sind von der Zertifizierung nicht ausgenommen. Die EU-Durchführungsverordnung 2024/2215 regelt die Mindestanforderungen an Zertifikate und die Bedingungen der gegenseitigen Anerkennung. Ihr Geltungsbereich umfasst ortsfeste Kälteanlagen, Klimaanlagen und Wärmepumpen sowie Organic-Rankine-Kreisläufe. Erfasst sind auch Kälteanlagen in Kühl-Lkw, Kühlanhängern, leichten Kühlfahrzeugen, intermodalen Containern und Eisenbahnwaggons.
Die Zertifizierungsinhalte sollen die sichere Handhabung entzündlicher und giftiger Gase sowie von Hochdruckanlagen gewährleisten. Ammoniak, Kohlendioxid und Kohlenwasserstoffe nennt die Durchführungsverordnung dabei ausdrücklich. Die EU-Verordnung 2024/573 enthält Zertifizierungspflichten auch für Alternativen zu F-Gasen, einschließlich natürlicher Kältemittel. Die Frage nach der Sachkunde stellt sich also nicht nur bei klassischen F-Gasen, sondern auch an der CO2-Anlage oder der Propan-Wärmepumpe.
Welche Ausbildung und welche Prüfung setzt die Sachkundebescheinigung voraus?
§ 6 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung nennt zwei Nachweise. Verlangt wird erstens eine erfolgreich absolvierte technische oder handwerkliche Berufsausbildung, die die jeweilige Tätigkeit abdeckt. Verlangt wird zweitens eine bestandene theoretische und praktische Prüfung entsprechend den Mindestanforderungen. Ausgestellt wird die Bescheinigung auf Antrag der Person.
Für Beschäftigte mit einer Ausbildung, deren Abschlussprüfung die Mindestanforderungen nur teilweise abdeckt, gibt es einen zweiten Weg. § 6 lässt die Ausstellung auch dann zu, wenn ein Abschlusszeugnis einer Berufsausbildung vorliegt und die Person eine theoretische und praktische Prüfung über die nicht abgedeckten Mindestanforderungen bestanden hat. Geprüft wird also die Lücke, nicht der gesamte Beruf neu.
Deutscher Referenzberuf in der Kältetechnik ist der Mechatroniker für Kältetechnik. Die Ausbildungsverordnung vom 20. Juli 2007 sieht eine Ausbildungsdauer von dreieinhalb Jahren vor. Zu den Inhalten gehören nach dem Berufsprofil des Bundesinstituts für Berufsbildung unter anderem das Fügen von Bauteilen, die elektrotechnische Installation, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie Montage, Inbetriebnahme, Wartung und Instandsetzung.
Zählt eine Ausbildung oder ein Zertifikat aus Albanien oder Kosovo für die Sachkunde?
Die Gleichstellung ausländischer Nachweise in § 5 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung ist auf die EU und den EWR begrenzt. Bescheinigungen und Ausbildungsnachweise, die eine Person in einem anderen EU-Mitgliedstaat oder einem EWR-Vertragsstaat nach Artikel 10 Absatz 1 der EU-Verordnung 2024/573 erworben hat, stehen der deutschen Sachkundebescheinigung gleich. Gleiches gilt für einen dort absolvierten Auffrischungskurs.
Albanien und Kosovo gehören nicht zur EU und nicht zum EWR. Für Nachweise aus diesen Staaten trifft § 5 keine Aussage. In Betracht kommt der Weg über § 6: Ausbildungsnachweis und Prüfung, oder Prüfung über die Teile, die das vorgelegte Abschlusszeugnis nicht abdeckt. Ob ein Ausbildungsnachweis dafür genügt, entscheidet die ausstellende Stelle im Einzelfall.
Ein Kältetechnik-Zertifikat aus einem Drittstaat gilt in Deutschland nicht automatisch als Sachkundebescheinigung. Die Gleichstellung in § 5 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung erfasst nur EU- und EWR-Nachweise. Klären Sie früh mit der zuständigen Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer, welche Prüfungsteile Ihre Kraft nachholen muss.
Muss die Sachkunde aufgefrischt werden, und wen trifft diese Pflicht?
Liegt die Ausstellung der Sachkundebescheinigung mehr als sieben Jahre zurück, ist nach § 5 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung zusätzlich ein Auffrischungskurs nachzuweisen. Dieser Kurs darf nicht älter als sieben Jahre sein. Das Ausstellungsdatum jeder Bescheinigung gehört deshalb in die Personalunterlagen.
Die Pflicht trifft nicht nur die Fachkraft. Nach § 10 der Chemikalien-Klimaschutzverordnung handelt ordnungswidrig, wer als Unternehmen mit Betriebszertifikat nicht sicherstellt, dass die betroffenen Beschäftigten an einem Auffrischungskurs teilnehmen. Auf EU-Ebene stellen die Mitgliedstaaten bis zum 12. März 2027 sicher, dass zertifizierte natürliche Personen mindestens alle sieben Jahre an Auffrischungskursen teilnehmen oder ein Bewertungsverfahren abschließen müssen.
Was die Sachkundebescheinigung nicht ersetzt: Handwerksrolle und Meisterbrief
Auf der Sachkundebescheinigung ist in einem Bemerkungsfeld darauf hinzuweisen, dass sie keinen Anspruch auf Eintragung in die Handwerksrolle begründet. Sachkunde und Gewerbeberechtigung sind zwei verschiedene Dinge. Das Gewerbe Kälteanlagenbauer steht als Nummer 18 in Anlage A der Handwerksordnung.
Anlage A der Handwerksordnung betrifft die selbstständige Ausübung des Handwerks und die Eintragung. Über die Beschäftigung als Arbeitnehmer sagt die Anlage nichts. Wie Meisterpflicht und Anstellung zusammenhängen, ist in unserem Beitrag zum zulassungspflichtigen Handwerk und der Anstellung als Geselle ausführlicher beschrieben.
Brauchen Betriebe eine Berufsanerkennung, obwohl der Kältetechnik-Beruf nicht reglementiert ist?
Der Beruf Mechatroniker für Kältetechnik ist in Deutschland nicht reglementiert. In einem nicht reglementierten Beruf kann ohne Anerkennung gearbeitet werden. Ein Anerkennungsverfahren kann trotzdem Bedeutung haben, etwa für den Aufenthaltstitel oder für die Beschäftigung. Mit einem Anerkennungsbescheid in deutscher Sprache lassen sich Fähigkeiten und Kenntnisse leichter einordnen.
Im Verfahren prüft die zuständige Stelle die Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf. Anerkannt wird die Qualifikation, wenn keine wesentlichen Unterschiede festgestellt werden. Bei nicht reglementierten Berufen ist eine teilweise Anerkennung möglich, und wesentliche Unterschiede können durch eine Anpassungsqualifizierung ausgeglichen werden. Das Ergebnis stellt die zuständige Stelle im Bescheid fest.
Für eine Beschäftigung ohne anerkannten Berufsabschluss kommt die Westbalkanregelung in Betracht; über die Zustimmung entscheidet die Bundesagentur für Arbeit. Wann eine Anerkennung dagegen wirklich nötig wird, behandelt unser Beitrag zur Anerkennung der ausländischen Qualifikation im zulassungspflichtigen Handwerk. Wenn Sie Personal aus Albanien oder Kosovo für Kälte- und Klimatechnik suchen, können Sie sich als Arbeitgeber registrieren und Ihren Bedarf schildern.
Häufige Fragen
Darf ein Mitarbeiter ohne Sachkundebescheinigung am Kältekreis arbeiten?
Für Tätigkeiten, für die die Chemikalien-Klimaschutzverordnung eine Sachkundebescheinigung verlangt, muss die Person diese Bescheinigung vorweisen können und zuverlässig sein. Welche Tätigkeiten erfasst sind, ergibt sich aus der Verordnung. Andere Arbeiten im Betrieb bleiben davon unberührt.
Zählt ein Kältemittel-Zertifikat aus einem anderen EU-Land in Deutschland?
Bescheinigungen und Ausbildungsnachweise aus einem anderen EU-Mitgliedstaat oder einem EWR-Vertragsstaat nach Artikel 10 Absatz 1 der EU-Verordnung 2024/573 stehen der deutschen Sachkundebescheinigung gleich. Auch ein dort absolvierter Auffrischungskurs gilt als gleichwertig. Für Nachweise aus Drittstaaten gilt diese Gleichstellung nicht.
Wo wird die Sachkundebescheinigung beantragt?
Sachkundebescheinigungen werden natürlichen Personen auf Antrag ausgestellt. Zuständig sind in den einschlägigen Fällen Handwerkskammern, Handwerksinnungen sowie Industrie- und Handelskammern. Welche Stelle im konkreten Fall zuständig ist und welche Prüfungsteile verlangt werden, klärt diese Stelle selbst.
Welche Unterlagen verlangt die zuständige Stelle für die Gleichwertigkeitsprüfung?
Für den Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung werden Kopien und Übersetzungen des Ausbildungsnachweises, weitere Qualifikationsnachweise und Nachweise über einschlägige Berufserfahrung verlangt. Übersetzungen müssen von öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzern stammen. Gebühren fallen an; die Höhe teilt die zuständige Stelle mit. Eine Beratung vor der Antragstellung wird empfohlen.
Kann die Anerkennung erst nach der Einreise beantragt werden?
Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Anerkennungspartnerschaft, bei der sich Arbeitgeber und Beschäftigte verpflichten, die Anerkennung nach der Einreise zu beantragen. Ein Teilanerkennungsbescheid oder ein Qualifizierungsplan muss vor der Einreise nicht vorliegen. Welche Voraussetzungen im Einzelnen erfüllt sein müssen, nennt die Bundesagentur für Arbeit; über den Aufenthaltstitel entscheidet die zuständige Behörde.
Ist ein Meisterbrief nötig, um einen Kältetechniker anzustellen?
Anlage A der Handwerksordnung führt das Gewerbe Kälteanlagenbauer unter Nummer 18 und betrifft die selbstständige Ausübung sowie die Eintragung. Über die Beschäftigung als Arbeitnehmer sagt diese Anlage nichts. Die Sachkundebescheinigung selbst begründet keinen Anspruch auf Eintragung in die Handwerksrolle.
Quellen
- § 5 ChemKlimaschutzV (Sachkundebescheinigung, ausländische Nachweise, Auffrischung)
- § 6 ChemKlimaschutzV (Ausstellung, Ausbildung und Prüfung, Hinweis zur Handwerksrolle)
- § 10 ChemKlimaschutzV (Ordnungswidrigkeiten, Auffrischungskurs im Unternehmen)
- ChemKlimaschutzV, Gesamtfassung
- Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase
- Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 (Zertifikate, Geltungsbereich)
- KälteMechaAusbV: Berufsausbildung Mechatroniker für Kältetechnik
- Anlage A Handwerksordnung
- BIBB: Berufsprofil Mechatroniker für Kältetechnik
- Anerkennung in Deutschland: Mechatroniker/in für Kältetechnik
- Anerkennung in Deutschland: Berufliche Anerkennung für Arbeitgeber
- Anerkennung in Deutschland: häufige Fragen zu Unterlagen und Gebühren
- Bundesagentur für Arbeit: Anerkennungspartnerschaft
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- Westbalkanregelung: Arbeitskräfte ohne Berufsabschluss einstellen
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