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Trinkgeld auf den Mindestlohn anrechnen: welcher Grundlohn im Vertrag der Servicekraft stehen muss

Trinkgeld darf nicht auf den gesetzlichen Mindestlohn angerechnet werden. Im Arbeitsvertrag einer Servicekraft muss deshalb ein Geldbetrag je Stunde stehen, der allein aus Zahlungen des Arbeitgebers den Mindestlohn erreicht — der gesetzliche Mindestlohn beträgt 13,90 Euro brutto je Stunde (Rechtsstand: 1. September 2026). Trinkgeld kommt vom Gast und damit von einem Dritten. Diese Seite erklärt, was das für die Vertragsgestaltung, die Zeitaufzeichnung und eine Prüfung im Betrieb bedeutet.

Aktualisiert am 19.10.2026 · 7 Min. Lesezeit · Mit KI-Unterstützung erstellt, redaktionell geprüft

Darf Trinkgeld auf den Mindestlohn angerechnet werden?

Trinkgeld darf den vom Arbeitgeber geschuldeten Lohn nicht ersetzen. Die Gewerbeordnung bestimmt in § 107 Abs. 3 GewO, dass die Zahlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts nicht für die Fälle ausgeschlossen werden kann, in denen eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer von Dritten Trinkgeld erhält. Trinkgeld ist dort ein Betrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung zusätzlich zu der dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt.

Für die Erfüllung des Mindestlohnanspruchs kommt es auf Geldzahlungen des Arbeitgebers im Austauschverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Das beschreibt die Zollverwaltung in ihrem Fachthema zur Berechnung und Zahlung des Mindestlohns. Trinkgeld stammt nach der gesetzlichen Definition gerade nicht vom Betrieb, sondern vom Gast. Es fehlt damit an einer Zahlung des Arbeitgebers, die den Mindestlohnanspruch erfüllen könnte.

Kernaussage: Der Mindestlohn muss vollständig aus dem Entgelt des Arbeitgebers gezahlt werden. Trinkgeld kommt obendrauf. Rechtsstand: 1. September 2026. Diese Seite ordnet die Rechtslage allgemein ein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Welcher Grundlohn muss im Arbeitsvertrag der Servicekraft stehen?

Im Arbeitsvertrag einer Servicekraft gehört ein fester Bruttobetrag je Stunde, der mindestens den gesetzlichen Mindestlohn erreicht. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 13,90 Euro brutto je Zeitstunde (Rechtsstand: 1. September 2026). Daneben kann es tarifliche Regelungen geben, die für einen Betrieb gelten; ob das der Fall ist, beurteilt die zuständige Stelle.

Das Nachweisgesetz verlangt in § 2 NachwG, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen, zu unterschreiben und auszuhändigen. Dazu gehören Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts. Überstundenvergütung, Zuschläge, Zulagen, Prämien und Sonderzahlungen sind jeweils getrennt anzugeben, dazu Fälligkeit und Art der Auszahlung.

  • Stundenlohn in Euro brutto — eine Zahl, kein Rahmen und kein Hinweis auf erwartetes Trinkgeld
  • Arbeitszeit — vereinbarte Stunden, damit sich der Stundenlohn nachrechnen lässt
  • Zuschläge und Zulagen getrennt — etwa Nacht- oder Sonntagszuschläge, jeweils eigener Posten
  • Fälligkeit und Auszahlungsweg — wann und wie das Entgelt ankommt
  • Fristen des Nachweises — Angaben zu Entgelt und Arbeitszeit spätestens am ersten Tag der Arbeitsleistung, weitere Angaben binnen sieben Kalendertagen, der Rest spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn

Fester Grundlohn oder Klausel „Vergütung teilweise über Trinkgeld“: was trägt im Vertrag der Servicekraft?

Zwei Vertragsgestaltungen sind im Service üblich: ein fester Stundenlohn oder eine Klausel, nach der ein Teil der Vergütung über Trinkgeld hereinkommen soll. Nur die erste trägt, weil Trinkgeld vom Gast stammt und nicht vom Arbeitgeber.

Fester Grundlohn oder Klausel „Vergütung teilweise über Trinkgeld“: was trägt im Vertrag der Servicekraft?
KriteriumFester Stundenlohn im VertragKlausel: Vergütung teilweise über Trinkgeld
Wer zahltDer Arbeitgeber zahlt den vollen Stundenlohn aus eigenen Mitteln.Ein Teil soll vom Gast kommen; Trinkgeld stammt nach dem Gesetz von einem Dritten.
WirksamkeitTrägt, solange der Betrag je Stunde den Mindestlohn erreicht.Nach § 3 MiLoG unwirksam, soweit der Mindestlohn dadurch unterschritten wird.
Angabe im NachweisHöhe und Zusammensetzung des Entgelts sind getrennt ausgewiesen.Der geschuldete Grundbetrag bleibt offen, die getrennte Angabe fehlt.
Bei einer PrüfungStunden und gezahlter Lohn lassen sich direkt gegenrechnen.Der Betrieb muss erklären, womit der Mindestlohn erfüllt sein soll.
Folge für den BetriebNachzahlung nur bei Fehlern in Stunden oder Abrechnung.Nachzahlung der Differenz und ein Bußgeldverfahren sind möglich.

Ist eine Klausel wirksam, die Trinkgeld auf den Mindestlohn anrechnet?

Eine Vertragsklausel, die den Mindestlohn durch Trinkgeld ganz oder teilweise ersetzt, ist insoweit unwirksam. § 3 MiLoG erklärt Vereinbarungen für unwirksam, die den Mindestlohnanspruch unterschreiten oder seine Geltendmachung beschränken oder ausschließen. Ein Verzicht ist nur durch gerichtlichen Vergleich möglich. Verwirkung des Anspruchs ist ausgeschlossen.

Eine bereits geleistete Unterschrift ändert daran nichts. Der Arbeitgeber bleibt nach § 20 MiLoG verpflichtet, den im Inland beschäftigten Arbeitnehmern mindestens den Mindestlohn zum Fälligkeitszeitpunkt zu zahlen. Die Fälligkeit regelt § 2 MiLoG: Zahlung zum vereinbarten Zeitpunkt, spätestens am letzten Bankarbeitstag des Monats, der auf den Monat der Arbeitsleistung folgt. Stunden auf einem schriftlich vereinbarten Arbeitszeitkonto sind innerhalb von zwölf Kalendermonaten durch bezahlte Freizeit oder Zahlung auszugleichen.

Für Betriebe heißt das: Die Klausel bringt keine Ersparnis, sondern verschiebt eine offene Forderung in die Zukunft. Wer eine solche Formulierung im Mustervertrag stehen hat, streicht sie und trägt den Stundenlohn als Zahl ein. Welche Angaben sonst in den Vertrag gehören, steht in unserem Beitrag zu den Pflichtangaben im Arbeitsvertrag nach dem Nachweisgesetz.

Wer prüft im Gastgewerbe, ob der Mindestlohn tatsächlich gezahlt wird?

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung prüft im Hotel- und Gaststättengewerbe, ob Mindestlohn und Aufzeichnungspflichten eingehalten werden. Die Prüfung setzt keinen Verdacht voraus. Grundlage der Berechnung sind die aufgezeichneten Arbeitsstunden und das tatsächlich gezahlte Entgelt des Arbeitgebers.

  • Zeitaufzeichnung nach § 17 MiLoG — Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Arbeitstag folgenden Kalendertags
  • Aufbewahrung — mindestens zwei Jahre, im Inland und in deutscher Sprache bereitzuhalten
  • Ausweispapiere nach § 2a SchwarzArbG — im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe tätige Personen führen Personalausweis, Pass oder Ausweisersatz mit und legen ihn auf Verlangen vor
  • Unterrichtung — der Arbeitgeber informiert schriftlich und nachweislich über diese Mitführungspflicht, bewahrt die Unterrichtung auf und legt sie auf Verlangen vor

Wird das geschuldete Arbeitsentgelt nicht oder nicht rechtzeitig gezahlt, kann das als Ordnungswidrigkeit nach § 21 MiLoG verfolgt werden. Über ein Bußgeld und seine Höhe entscheidet die zuständige Behörde im Einzelfall. Ohne saubere Stundenaufzeichnung lässt sich bei schwankenden Schichten im Service nicht belegen, dass der Stundenlohn den Mindestlohn erreicht.

Muss Trinkgeld versteuert werden und darf es der Betrieb verrechnen?

Trinkgelder sind nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei, wenn sie anlässlich einer Arbeitsleistung von Dritten freiwillig und ohne Rechtsanspruch zusätzlich zu dem Betrag gegeben werden, der für diese Arbeitsleistung zu zahlen ist. Die Steuerbefreiung knüpft an dieselben Merkmale wie die Gewerbeordnung an: ein Dritter, freiwillig, kein Rechtsanspruch, zusätzlich.

Ein Betrag, den der Arbeitgeber auf den geschuldeten Lohn anrechnet, ist gerade nicht „zusätzlich“. Die Lohnfrage und die Steuerfrage bleiben damit getrennt: Steuerfreies Trinkgeld mindert den Entgeltanspruch nicht. Wie ein vom Arbeitgeber selbst vereinnahmter und später weitergegebener Betrag einzuordnen ist, beurteilen die zuständigen Stellen im Einzelfall.

Was Betriebe beachten, die Servicekräfte aus dem Ausland einstellen

Wer eine Servicekraft aus dem Ausland einstellt, braucht einen Vertrag, der den Stundenlohn als klare Zahl ausweist. Trinkgeld, Bedienungsanteile oder eine Schichtpauschale ersetzen diese Angabe nicht. Für Bewerberinnen und Bewerber aus Albanien und Kosovo ist der Vertrag außerdem die Grundlage des Verfahrens — über die Zustimmung entscheidet die Bundesagentur für Arbeit, über das Visum die zuständige deutsche Auslandsvertretung.

Praktisch hilft es, den Lohn im Bewerbungsgespräch ohne Trinkgeldversprechen zu nennen. Neue Kräfte rechnen sonst mit einem Einkommen, das der Betrieb nicht schuldet. Was eine Stelle im Service inhaltlich umfasst, zeigt unsere Seite Servicekraft; weitere Rollen in Küche und Haus finden Sie unter Gastronomie und Hotel.

Hirenord vermittelt Arbeitnehmer aus Albanien und Kosovo an Arbeitgeber in Deutschland und unterstützt bei Arbeitsvertrag und Beschäftigungsunterlagen. Wenn Sie Service- oder Küchenpersonal suchen, können Sie sich als Arbeitgeber registrieren und Ihren Bedarf schildern.

Häufige Fragen

Darf mein Chef Trinkgeld auf den Mindestlohn anrechnen?

Nein. Nach § 107 Abs. 3 GewO kann die Zahlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts nicht für die Fälle ausgeschlossen werden, in denen Trinkgeld von Dritten fließt. Den Mindestlohnanspruch erfüllen nur Geldzahlungen des Arbeitgebers. Rechtsstand: 1. September 2026.

Welcher Stundenlohn muss im Arbeitsvertrag einer Servicekraft stehen?

Ein Bruttobetrag je Stunde, der mindestens den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro erreicht (Rechtsstand: 1. September 2026). Nach § 2 NachwG sind Zusammensetzung und Höhe des Entgelts anzugeben, Zuschläge und Zulagen jeweils getrennt. Tarifliche Regelungen können daneben gelten; das beurteilt die zuständige Stelle.

Mein Vertrag sagt „Vergütung erfolgt teilweise über Trinkgeld“ — gilt das?

Eine solche Abrede ist nach § 3 MiLoG unwirksam, soweit sie den Mindestlohnanspruch unterschreitet. Die Unterschrift ändert daran nichts, ein Verzicht ist nur durch gerichtlichen Vergleich möglich. Der Arbeitgeber schuldet den Mindestlohn weiterhin zum Fälligkeitszeitpunkt.

Wer kontrolliert im Restaurant, ob der Mindestlohn gezahlt wird?

Zuständig ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung. Sie prüft im Hotel- und Gaststättengewerbe unter anderem die Einhaltung des Mindestlohns und der Aufzeichnungspflichten. Über Konsequenzen im Einzelfall entscheidet die zuständige Behörde.

Muss Trinkgeld versteuert werden?

Trinkgelder von Dritten sind nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei, wenn sie freiwillig, ohne Rechtsanspruch und zusätzlich zu dem für die Arbeitsleistung zu zahlenden Betrag gegeben werden. Die Steuerfreiheit sagt nichts über die Lohnhöhe aus. Der Entgeltanspruch gegen den Arbeitgeber bleibt unberührt.

Wie weise ich bei schwankenden Schichten nach, dass der Mindestlohn erreicht ist?

Über die Arbeitszeitaufzeichnung nach § 17 MiLoG: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Arbeitstag folgenden Kalendertags. Die Unterlagen sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren und im Inland in deutscher Sprache bereitzuhalten. Stunden auf einem schriftlich vereinbarten Arbeitszeitkonto sind binnen zwölf Kalendermonaten auszugleichen.

Quellen

  1. § 107 GewO — Berechnung und Zahlung des Arbeitsentgelts
  2. § 2 MiLoG — Fälligkeit des Mindestlohns
  3. § 3 MiLoG — Unabdingbarkeit des Mindestlohns
  4. § 17 MiLoG — Erstellen und Bereithalten von Dokumenten
  5. § 20 MiLoG — Pflichten des Arbeitgebers zur Zahlung des Mindestlohns
  6. § 21 MiLoG — Bußgeldvorschriften
  7. § 2 NachwG — Nachweis der wesentlichen Vertragsbedingungen
  8. § 3 EStG — Steuerfreie Einnahmen (Nr. 51 Trinkgelder)
  9. § 2a SchwarzArbG — Mitführungs- und Vorlagepflicht von Ausweispapieren
  10. Zoll — Berechnung und Zahlung des Mindestlohns
  11. Zoll — Mindestlohn nach dem Mindestlohngesetz
  12. BMAS — Mindestlohn: Höhe, Anspruch und aktuelle Regelungen

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